Was ist ein Agent – und was nur Marketing?
Bennet Krause zieht eine klare Linie: Ein Agent ist mehr als ein Chatbot. Er plant, nutzt Werkzeuge, arbeitet mehrstufig und kann den Zustand der Welt verändern, etwa, indem er Daten in einem Kundenkonto anpasst
Agentic AI ist ein KI‑System, das nicht nur Antworten generiert, sondern mit einem klaren Ziel und gewisser Autonomie handeln kann.
Woran erkennt man das praktisch? Bennet nennt zwei Mindestkriterien: Erstens müssen mindestens mehrere Tools genutzt werden können; zweitens braucht der Agent die Freiheit, so lange zu arbeiten, bis die Aufgabe gelöst ist – inklusive erneuter Abfragen, Umformulierungen und Zwischenschritte. „Alles, was keine Werkzeuge benutzt und nur einen Schritt macht – etwa einmal suchen und zusammenfassen –, ist kein Agent."
Was heute funktioniert: klar abgegrenzt, geringes Risiko
Produktionsreife Anwendungsfälle gebe es immer noch wenige, meint Bennet. Geeignet seien Aufgaben, die klar abgegrenzt, messbar und mit geringem Risiko verbunden sind. Als Paradebeispiel nennt der AI-Experte Kundenservice Level 1: einfache Anfragen beantworten, den richtigen Self‑Service verlinken, Statusinformationen abrufen – oder eben an einen Menschen weiterleiten.
Die erste Welle im Support, die das Gröbste rausfiltert – das ist relativ gut machbar.
Tiefgreifende, komplexe Probleme mit vielen Systemintegrationen und aktiven Änderungen sind heute oft noch zu riskant – die Fehlerquoten sind zu hoch.
Im kontrollierten Rahmen könne ein Agent aber durchaus Änderungen vornehmen, z. B. eine Adresse im Kundenkonto anpassen – sofern ein Backend automatisch prüft und Freigaben gesetzt sind. Breitere, tief integrierte Änderungen hält Bennet derzeit für zu riskant.
Warum End‑to‑End‑Automation noch Science‑Fiction ist
Viele träumen vom „autonomen Mitarbeitenden", die ohne große Aufsicht alles Mögliche machen könnten, was ein Mensch könne. Bennet bremst: „Von autonomen Mitarbeitenden sind wir noch weit entfernt."
Der Weg in die Produktionsreife sei noch weit. Demos funktionieren, doch für breite Roll-Outs bräuchte man Fehlerraten nahe Null; „ganz gut" reicht für den produktiven Einsatz einfach nicht. Bei Hunderttausenden Nutzer*innen können wenige Prozent Fehlerrate schon erheblichen Schaden verursachen.
Wir sind im Moment in einer Phase, in der Unternehmen sehr genau prüfen müssen, welche Use Cases realistisch machbar sind – sowohl aus der technischen Perspektive von den Fähigkeiten der Modelle her, aber auch bezogen auf Sicherheitsaspekte.